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Ist der Eisenbedarf in der Pubertät erhöht?

Eisenmangel Ratgeber

Veröffentlicht am
06. Juni 2023

Der pubertäre Wachstumsschub ist mit einem erhöhten Eisenbedarf verbunden

Den zweiten großen Wachstumsschub in der Entwicklung erfahren Heranwachsende in der Pubertät. Dadurch ist der Bedarf für viele Nährstoffe erhöht, auch für das Eisen. Was das konkret bedeutet, erfährst du hier.

Zweiter großer Wachstumsschub: Pubertät

Nach dem ersten großen Wachstumsschub zwischen 6 und 24 Monaten, durchlaufen Heranwachsende den nächsten in der Pubertät. Während dieser Phase gibt es große Unterschiede innerhalb der individuellen Entwicklung, aber auch zwischen den Geschlechtern. Dadurch variiert der Nährstoffbedarf sehr – je nach dem individuellen Entwicklungszustand.1,2

Bei Mädchen beginnt das Längenwachstum etwas früher (zwischen 10 und 13 Jahren) als bei Jungen (zwischen 12 und 15 Jahren). Jungen haben mehr Muskelmasse, Skelettmasse und Blutvolumen sowie weniger Fettgewebe als Mädchen. Das pubertäre Wachstum bedingt einen stark erhöhten Bedarf an Energie und Nährstoffen.2,3 

Eisenbedarf bei Teenagern und Jugendlichen

In der Pubertät ist der Bedarf für zahlreiche Nährstoffe erhöht, bei den Mineralstoffen sind vor allem Calcium, Zink und Eisen hervorzuheben2 Für Jungen zwischen 10 und 19 Jahren gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Referenzwert von 12 mg Eisen/Tag an. Danach sinkt der Wert auf 10 mg/Tag für das restliche Erwachsenenleben. Für Mädchen gibt die DGE einen Wert von 15 mg/ Tag zwischen 10 und 19 Jahren an. Dieser Wert gilt allerdings auch weiter für erwachsene Frauen bis zum Eintritt in die Wechseljahre. Das ist dem monatlichen Blutverlust über die Menstruation verschuldet.4

Hier liegt auch der Grund, weshalb Mädchen in der Pubertät mehr Eisen benötigen als Jungen. Neben dem früheren Einsetzen des Wachstums müssen die zusätzlichen monatlichen Eisenverluste ausgeglichen werden, sobald die Menstruation einsetzt. Mädchen benötigen zwar mehr Eisen, aber auch bei Jungen ist während der Pubertät der Eisenbedarf erhöht. Das liegt am Wachstum von Muskelmasse und Blutvolumen. Dafür werden verstärkt Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und Myoglobin (Muskelprotein) gebildet – diese beiden Moleküle sind eisenhaltig.2,3

Wie wahrscheinlich ist ein Eisenmangel?

Teenager in der Hauptwachstumsphase nehmen häufig zu wenig Eisen auf, vor allem junge Mädchen können den erhöhten Bedarf oftmals nicht decken.3 Die deutsche Ernährungsstudie KiGGS ergab, dass die Gruppen der 6- bis 11-Jährigen und 12- bis 17-Jährigen mehrheitlich nicht die empfohlenen Referenzwerte der DGE erreichten. Besonders stark war die Gruppe der 12- bis 17-jährigen Mädchen betroffen.5

Wie aber kommt es zu einem Eisenmangel bei Teenagern und Jugendlichen? Ursachen können ein vermehrter Verbrauch (etwa durch Blutverluste), Malabsorptionen oder ein erhöhter Bedarf durch das Wachstum sein.1,6 Der weltweit häufigste Grund liegt allerdings in der unzureichenden Eisenaufnahme über die Nahrung. Bei Pubertierenden ist das zumeist einer einseitigen, eisenarmen Ernährung verschuldet.1 Heranwachsende streben zunehmend nach Unabhängigkeit vom Elternhaus, was sich entscheidend auf das Ernährungsmuster und die Lebensmittelauswahl auswirkt. Der Außer-Haus-Verzehr steigt und ein großer Einfluss geht vom Freundeskreis aus. Dadurch konsumieren Jugendliche deutlich mehr Fastfood, Softdrinks und gezuckerte sowie fettige Lebensmittel als Kinder.2

Eisenmangel behandeln – noch besser: vorbeugen

Durch die verheerenden Konsequenzen sollte ein Eisenmangel unbedingt vermieden werden. Neben der Blutbildung schadet ein schwerer, langanhaltender Eisenmangel der geistigen und körperlichen Entwicklung. Eine Abnahme von Konzentration und Aufmerksamkeit sowie von psychomotorischen Fähigkeiten kann die Schulleistung negativ beeinflussen und dem Lernen im Weg stehen.1,2

Das Gute ist: ein diagnostizierter Mangel kann durch Eisensupplemente behandelt werden – die Krankheitszeichen bilden sich dann auch wieder zurück. Supplementiert werden sollte allerdings nur bei einem diagnostizierten Eisenmangel.1

Bevor es überhaupt zu einem Mangel kommt, sollte der Fokus zunächst auf die Ernährung gelenkt werden. Einseitige, kalorienreduzierte und restriktive Diäten sollten dringlichst vermieden werden. Bei der Lebensmittelauswahl sollte auf eisenreiche Kost geachtet werden und Lebensmittel, die die Eisenaufnahme hemmen, minimiert und vermieden werden. Nähere Infos findest du dazu in diesem Blogpost.3,6

Quellen
(1)  Dr. med. Joachim Kunz Eisenmangelanämie, 2011. https://www.kinderblutkrankheiten.de/sites/kinderkrebsinfo/kinderblutkrankheiten/content/e97222/e96941/e96942/e101367/e103858/Eisenmangelanmie.pdf. Thursday, April 13, 2023.
(2)  Aue, K. Gut ernährt durch die Pubertät, Deutsche Apothekerzeitung (DAZ). 2009, p. 79.
(3)  Nielsen, P. Eisenmangel bei Kindern, MMW - Fortschritte der Medizin. 2019, 161, pp. 22–24.
(4)  Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung, Ed. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2nd ed.: Bonn, 2018.
(5)  Mensink, G. B. M.; Haftenberger, M.; Lage Barbosa, C.; Brettschneider, A.-K.; Lehmann, F.; Frank, M.; Heide, K.; Moosburger, R.; Patelakis, E.; Perlitz, H. EsKiMo II - Die Ernährungsstudie als KiGGS-Modul; Robert Koch-Institut, 2021.
(6)  Mattiello, V.; Schmugge, M.; Hengartner, H.; Weid, N. von der; Renella, R. Diagnosis and management of iron deficiency in children with or without anemia: consensus recommendations of the SPOG Pediatric Hematology Working Group, European journal of pediatrics. 2020, 179, pp. 527–545.

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