Warum bei Säuglingen und Kindern besonders auf die Eisenzufuhr geachtet werden sollte
In Zeiten des Wachstums ist eine ausreichende Versorgung mit Eisen besonders wichtig. Mangelt es an dem Mikronährstoff, so hat dies gravierende Folgen für die kindliche Entwicklung und Leistung. Während Neugeborene noch mit gut gefüllten Eisenspeichern zur Welt kommen, sind Säuglinge und Kinder für einen Mangel gefährdet. Erfahre hier alles rund ums Thema Eisenmangel bei Säuglingen und Kindern!
Neugeborene sind zunächst gut abgesichert…
Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt die empfohlene Eisenzufuhr für Säuglinge bis zu vier Monaten bei 0,5 mg/Tag. Ab einem Alter von vier Monaten steigt der Bedarf rapide auf 8 mg/Tag an.1 Wie ist dieser starke Anstieg zu erklären?
Gesunde Neugeborene kommen zunächst mit gut gefüllten Eisenspeichern zur Welt, weil sie über die Plazenta der Mutter versorgt wurden. Hier wird die Bedeutung einer guten Eisenversorgung während der Schwangerschaft deutlich. Durch den Speicher sind Säuglinge für die ersten Monate erstmal gut versorgt. Neigen sich die Vorräte nach dem ersten Lebenshalbjahr dem Ende zu, beginnt ein kritischer Zeitraum. Der Säugling ist dann auf eine verstärkte Zufuhr angewiesen.2
…ab dem ersten Lebenshalbjahr wird es kritisch
Nach vier bis sechs Monaten sind die kindlichen Eisenspeicher aufgebraucht. Dann bleibt lediglich die Eisenaufnahme aus der Muttermilch. Allerdings sinkt der Eisengehalt der Muttermilch in den ersten sechs Monaten nach der Geburt etwa um die Hälfte. Stillen alleine reicht daher nicht aus, um den Eisenbedarf des schnell wachsenden Säuglings zu decken.2
Spätestens zu Beginn des siebten Lebensmonats (frühestens jedoch nach Vollendigung des vierten Monats) empfehlen Fachgesellschaften die Einführung der Beikost, die als zusätzliche Eisenquelle zur Muttermilch dient. Der klassische Brei aus Fleisch/ Fisch, Gemüse und Kartoffeln liefert gute Eisenmengen. Bei vegetarischer Ernährung sollten eisenhaltige Gemüsesorten und zusätzliche Vitamin-C-Quellen gewählt werden.2,3
Frühgeborene sind besonders für einen Eisenmangel gefährdet
Zu früh geborene Kinder haben bereits bei Geburt ein hohes Risiko für einen Eisenmangel, da ihre Eisenspeicher nur unzureichend gefüllt sind. Gleichzeitig haben sie einen extra hohen Eisenbedarf durch das rasante Wachstum und die früh einsetzende Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Bei Frühgeborenen ist daher in der Regel eine Eisentherapie nötig, um einen schweren Eisenmangel mit all seinen Konsequenzen zu verhindern.4
Rasantes Wachstum zum Kleinkind
Zwischen 6 und 24 Monaten durchläuft das Kind den ersten großen Wachstumsschub, der einen erhöhten Mineralstoff- und Vitaminbedarf zur Folge hat. Gerade in dieser Phase ist das Kleinkind für einen Eisenmangel anfällig. Danach sinkt der Bedarf und steigt erst wieder beim nächsten Wachstumsschub in der Pubertät.4,5 Die DGE gibt als Referenzwerte weiterhin 8 mg/ Tag an, erst zwischen 7 und 10 Jahren ist die empfohlene Zufuhr auf 10 mg/Tag erhöht.1
Ursachen für einen Eisenmangel bei (Klein-)Kindern und Babys
Weltweit ist die häufigste Ursache für einen Eisenmangel die unzureichende Zufuhr über die Nahrung. Das kann etwa durch eine einseitige, eisenarme Ernährung, zu später Einführung der Beikost, ausschließliche Verwendung von Kuhmilch als Säuglingsnahrung oder vegetarischer Ernährung bei Kindern auftreten.5,6
Eine weitere Ursache liegt im gesteigerten Bedarf in den Wachstumsphasen, was sich nicht vermeiden lässt. Chronische Erkrankungen oder andere Gründe können zu einer unzureichenden Eisenaufnahme aus der Nahrung führen oder einen vermehrten Eisenverbrauch zur Folge haben.5,6 Interessant ist auch, dass Fettleibigkeit sich negativ auf die Eisenaufnahme auswirken kann. Das im Fettgewebe produzierte Hormon Leptin stimuliert die Bildung des Proteins Hepcidin. Dieses „Akute-Phase-Protein“, das auch bei Entzündungen im Körper gebildet wird, hemmt die Eisenaufnahme im Darm.6
Leistungsabfall in der Schule: Übeltäter Eisenmangel?
Kinder benötigen ausreichend Eisen zur Bildung von roten Blutkörperchen, um das schnell expandierende Blutvolumen während des Wachstums auszugleichen. Auch für die Muskel- und Gehirnentwicklung wird Eisen benötigt.3 Kommt es während des Wachstums von Säuglingen und (Klein-)Kindern zu einem Eisenmangel, so kann dies zu Verzögerungen und Beeinträchtigung in der geistigen und körperlichen Entwicklung führen. Im schlimmsten Fall entstehen bleibenden Schäden und Spätfolgen.6 Die Kinder haben dann etwa mit Gedächtnisschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsdefiziten zu kämpfen oder haben eine verminderte Leistungsfähigkeit - Das Lernpotenzial kann nicht entfaltet werden.
Neben der Entwicklung wird durch einen Eisenmangel also vor allem die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Eine Eisenmangelanämie (Blutarmut) ist die offensichtlichste Mangelerscheinung. Sie zeigt sich zum Beispiel in schneller Ermüdung, Blässe, brüchigen Nägeln, rissigen Mundwinkeln, Haarausfall, Kopfschmerzen, Atemnot und Schwindel. Kleine Kinder neigen zur Trinkunlust, wohingegen ältere Kinder eher von Appetitlosigkeit oder verändertem, abnormalen Appetit betroffen sein können.7
Quellen
(1) Deutsche Gesellschaft für Ernährung Referenzwerte Eisen, 2000. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/eisen/?L=0. Tuesday, July 27, 2021.
(2) Biesalski H-K; Bischoff SC; Pirlich M et al. (eds), Eds. Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer; Georg Thieme Verlag, Stuttgart; New York, 2018.
(3) Eilender, E. Nutrition throughout the lifecycle; Momentum Press: New York [New York] (222 East 46th Street, New York, NY 10017), 2016.
(4) Nielsen, P. Eisenmangel bei Kindern, MMW - Fortschritte der Medizin. 2019, 161, pp. 22–24.
(5) Dr. med. Joachim Kunz Eisenmangelanämie, 2011. https://www.kinderblutkrankheiten.de/sites/kinderkrebsinfo/kinderblutkrankheiten/content/e97222/e96941/e96942/e101367/e103858/Eisenmangelanmie.pdf. Thursday, April 13, 2023.
(6) Olives, J.-P. Causes des déficits en fer chez l’enfant, Archives de pediatrie : organe officiel de la Societe francaise de pediatrie. 2017, 24, 5S2-5S5.
(7) Gattermann, N.; Muckenthaler, M. U.; Kulozik, A. E.; Metzgeroth, G.; Hastka, J. The Evaluation of Iron Deficiency and Iron Overload, Deutsches Arzteblatt international. 2021, 118, pp. 847–856.